„Mein Po ist so schwer!“ (Verminderte Wundheilung) Teil 2

Vorwort

Wenn andere Menschen von meiner Tätigkeit als Hypnosetherapeut erfahren, ist die Neugierde oft sehr groß. Ich höre oft dieselben Fragen: Was macht ein Hypnosetherapeut? Was ist die Hypnose überhaupt? Kann die Hypnose mir wirklich bei körperlichen und seelischen Problemen helfen? Wie läuft so eine Therapie eigentlich ab?

In den „Geschichten aus der Praxis“ möchte ich die letzte Frage beantworten und Ihnen jeden zweiten Sonntag einen Einblick in die hypnotische Arbeit geben. Dabei lege ich selbstverständlich sehr großen Wert auf Diskretion und halte die Identität meiner Klienten geheim. Ich verändere dafür die Personendaten (Name, Alter etc), oder halte sie absichtlich sehr vage, um meine Klienten zu schützen.

In den Geschichten werden Sie auf sog. „Archetypen“ treffen, die man auch als Persönlichkeitsteile, oder Ich-Anteile bezeichnen könnte. Sie zeigen sich in der Form von Menschen, Gegenständen, Tieren, oder Fabelwesen und dienen uns als „Sprachrohr des Unbewussten“. Sie geben uns wichtige Informationen und helfen uns bei der Bewältigung unserer Ängste, oder Konflikte.

Im Hypnose-FAQ habe ich Ihnen alles Wissenswerte über unsere unbewussten Helfer zusammengefasst – hier erfahren sie alles zur inneren Weisheit, der Tiefenperson und dem Saboteur.

„Mein Po ist so schwer!“ Teil 2

Im ersten Teil von „Mein Po ist so schwer!“ habe ich erzählt, wie eine liebe Klientin mit der Hypnosetherapie begann, nachdem sie in Folge einer Darm-OP nicht mehr aufstehen konnte. Lesen Sie nun, wie sie es mit Hilfe der Hypnose geschafft hat, ihre Mobilität zurück zu gewinnen:

Jennifer weinte mit der Zeit immer weniger. Dennoch hat sie das Gefühl, dass „das Band zur Mutter getrennt“ war. So schauten wir uns dieses Band in Hypnose an. Es ging aus Jennifers Bauch heraus, um sie herum und nach hinten weg. Wir fanden eine durchtrennte Stelle, doch die beiden Enden ließen sich nicht miteinander verbinden. Kein Knoten wollte halten. Wir entdeckten, dass sich das Band in Jennifer´s Bauch wie ein Lasso um die verbliebene Trauer schlang. Jennifer hatte das Gefühl, dass die Trauer stellvertretend für das Band die Verbindung zur Mutter aufrecht erhält. Gleichzeitig aber die Wundheilung verhinderte. Wir suchten also einen Kompromiss damit die Trauer (und somit die Verbindung zur Mutter) bleiben, aber Jennifer dennoch Heilung finden durfte. So begann das Band die Trauer kleiner und kleiner zu drücken. Jennifer atmete die Trauer nach und nach aus, bis die Trauer ganz klein wurde. Nun ist es auch möglich die gelbe Farbe auch über den Po zu ziehen.

In der folgenden Woche berichtete Jennifer, vorsichtig optimistisch, dass sie sich immer leichter drehen und aufsetzen konnte. Was noch wichtiger war: Die Wundheilung setzte wieder ein! In den kommenden Wochen verbesserte sich die Wunde am Bein zusehends, was die Ärzte sowie den Physiotherapeuten gleichermaßen überraschte. Auch Jennifer war voller Freude über die plötzliche Verbesserung. Gleichzeitig war sie aber skeptisch ob diese Fortschritte an der hypnotischen Arbeit lagen. Sie konnte sich noch immer nicht vorstellen, dass die Psyche einen so starken Einfluss auf den Körper hat.

Um die tägliche Arbeit mit dem Physiotherapeuten zu unterstützen, nutzte sie dennoch die hypnotischen Bilder und stellte sich vor, dass der Körper mit samt Po in Lila und Gelb erstrahlte. Wir arbeiteten weiter daran die Trauer aus dem ganzen Körper heraus zu atmen. Dabei ließen wir die Mutter am Horizont erscheinen und nach und nach immer näher kommen, bis sie Jennifer gegenüberstand. Sie erzählte ihrer Mutter, wie es ihr geht und bat sie um Hilfe, aber die Mutter konnte und wollte nicht helfen. Dann schwieg die Mutter, wie sie es immer tat. Jennifer war verletzt, wie sie es immer war. Aber jetzt wollte sie es nicht weiter probieren. Sie wollte endlich damit abschließen! „Und wie sind die richtigen Worte?“ fragte ich Jennifer. So sagt Jennifer: „Es tut mir Leid, aber ich verlasse dich jetzt.“ und ging. Sie fühlte sich leichter, sagte sie. Befreiter.

In den kommenden Wochen schaffte sie es immer leichter aufzustehen und begann schon Schritte vor und zurück zu machen. Laut dem Physiotherapeuten brauchte Jennifer dabei kaum noch Unterstützung. Das große Ziel war es, dass Jennifer sich ohne Hilfe in den Rollstuhl und wieder heraus heben kann um nach den Monaten wieder nach draußen zu gehen oder am Tisch Karten spielen zu können. Die Wundheilung ist so gut, dass die Ärzte zuversichtlich sind, die Bauchwunde in wenigen Wochen geschlossen sein wird und der Darmausgang in absehbarer Zeit zurückverlegt werden kann.

Auch das Unbewusste gibt uns die Erlaubnis, die Therapie zu beenden. Der Physiotherapeut sagte Jennifer, dass er mich gerne mal kennen lernen wolle. Jennifer sei von all seinen Patienten die einzige, die mit Abstand die größten Fortschritte mache. Er ist heute davon überzeugt, dass der Hypnose ein großer Teil der Heilung zu verdanken ist.

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