Angst vor der Hypnose

Zu Beginn der ersten Sitzung frage ich meine Klienten immer, was sie über Hypnose wissen. Dabei fällt mir auf, dass viele ein ähnliches Bild von Hypnose haben: Sie vergleichen es mit einem Trancezustand, in dem sie einfach “weg” sind und nichts mehr mitbekommen. Die Aufgabe des Hypnotiseurs ist es – so nehmen es viele an – diesen Zustand zu nutzen, um die Angst aufzulösen oder “einzuprogrammieren”, dass der Klient nur noch gesund ist.

Ich hatte damals genau dasselbe Bild von der Hypnose. Geprägt durch die Eindrücke aus Fernsehshows und Filmen war Hypnose für mich etwas, in dem ein Mensch mit einem Fingerschnipp die komplette Kontrolle über einen anderen Menschen erlangt und mit ihm anstellen kann, was auch immer er möchte. Es war für mich etwas Magisches, aber auch Beängstigendes. Von diesem Halbwissen geprägt, war ich vor meiner ersten Hypnose sehr aufgeregt. Schließlich wird gleich ein anderer Mensch die Kontrolle über mich erlangen und absolut alles über mich erfragen können. Der liebe Raimond Hamacher hatte mich zwar vorher aufgeklärt und mir gesagt, dass Hypnose etwas Tolles sei, in dem man zu sich selber kommt und mit seinem eigenen Unbewussten in Kontakt geht, aber es am eigenen Leib zu erleben, ist durch keine Aufklärung zu ersetzen.

So machten wir die erste Hypnose und ich war gleichermaßen enttäuscht wie erleichtert. Ich habe alles mitbekommen, er hatte keine Kontrolle über mich und ein Pendel habe ich bis heute nicht gesehen. Es erinnerte mich sehr an autogenes Training, womit ich schon Erfahrung hatte. Die nachfolgenden Sitzungen erweckten dann aber eine pure Faszination. Zwar hatte ich auch da alles mitbekommen und keine Kontrolle abgegeben, aber ich konnte mich selber auf einer Art und Weise kennenlernen, die mich absolut beeindruckt. Da war dieser weise Mann in meiner Vorstellung, der mir etwas sagte, was ich mir nicht gerade bewusst ausdachte. Er schien irgendwie eigenständig zu sein und wusste Dinge, die ich nicht wusste. Aber ich fühlte mich bei ihm sehr geborgen, als würden wir uns schon mein Leben lang kennen. Er gab mir ein Gefühl von Geborgenheit und Liebe, wie ich sie noch nie zuvor fühlte. Sehr tief und behutsam.

Ich kann es vollkommen verstehen, wenn ein Klient Angst vor der Hypnose hat! Doch jedes Mal, wenn derselbe Klient die Angst verliert, weil er die Liebe und Geborgenheit spürt, kann ich auch das verstehen. Mir ging es damals genauso.

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